Sportzahnmedizin
Dr. med. dent. Johanna Graf
Die Leistungsfähigkeit im Sport wird klassischerweise durch Trainingszustand, Ernährung, Regeneration und genetische Disposition bestimmt. Dabei entscheiden oft Nuancen über Erfolg oder Misserfolg. Neben diesen Pfeilern des Leistungssports rücken zunehmend bislang weniger beachtete Einflussfaktoren in den Fokus der sportmedizinischen Betreuung: Chronische, unterschwellige Entzündungsprozesse („silent inflammations“) und toxische Belastungen, die ihren Ursprung oft im oralen Bereich haben. Diese nicht spürbaren, unterschwelligen Belastungen können nicht nur die Leistungsfähigkeit limitieren, sondern auch die Verletzungsanfälligkeit signifikant erhöhen. Die Sport-Zahnmedizin gewinnt damit eine neue Bedeutung als Schnittstelle zwischen lokaler Mundgesundheit und systemischer Leistungsfähigkeit. „Silent inflammations“ sind gekennzeichnet durch das Fehlen klassischer Entzündungszeichen wie Schmerz, Rötung oder lokaler Erwärmung, wirken jedoch durch die permanente Ausschüttung von Entzündungsmediatoren als Stressoren des Immunsystems. Medizinisch sind sie mit einer Vielzahl systemischer Erkrankungen assoziiert, darunter kardiovaskulären Ereignisse, metabolischen Dysregulationen und Autoimmunprozessen. Für den Leistungssport bedeutet dies eine chronische, permanente und oft unerkannte Belastung der immunologischen und metabolischen Homöostase. Eine dauerhaft aktivierte Immunantwort führt zu einer erhöhten Ausschüttung von Zytokinen, oxidativem Stress sowie einer Beeinträchtigung mitochondrialer Funktionen – Faktoren, die Trainingsadaptation und Regeneration negativ beeinflussen können [Pagano et al. 2014]. Der Mund stellt in diesem Kontext ein zentrales Interaktionsfeld dar. Verschiedene dentogene Befunde fungieren als immunologische „Hotspots“, aus denen kontinuierlich Entzündungsmediatoren und/oder toxische Substanzen freigesetzt werden können. Dazu zählen insbesondere wurzelbehandelte Zähne, Titanimplantate, degenerative Kieferknochenveränderungen (FDOK/NICO), retinierte Weisheitszähne sowie die Parodontitis marginalis.
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| Autor | Dr. med. dent. Johanna Graf |


