Wenn das Immunsystem alt wird: Wie Immunseneszenz unsere Gesundheit prägt und was wir dagegen tun können
Dr. med. univ. Vilmos Fux; Dr. rer. med. Peter Rappl
Warum leben einige von uns über 100 Jahre, während andere deutlich früher sterben? Warum erholen sich manche Menschen besonders im Alter nach einer Erkältung blitzschnell, während andere wochenlang unter Husten, Erschöpfung und Infektanfälligkeit leiden? Warum verlaufen Grippe oder COVID-19 im höheren Alter oft schwerer, und warum nehmen auch Autoimmunerkrankungen mit den Jahren zu? Eine der spannendsten Antworten liefert ein relativ junges Forschungsfeld: die Immunseneszenz, also das Alter unseres Immunsystems. Wie zentral dieses Thema inzwischen in der Medizin geworden ist, zeigt auch die Verleihung des Nobelpreises für Medizin 2025 an Mary E. Brunkow, Fred Ramsdell und Shimon Sakaguchi. Sie wurden für die Entdeckung der regulatorischen T-Zellen ausgezeichnet, die entscheidend zum Verständnis der peripheren Immuntoleranz beitragen und deren Dysfunktion im Alter maßgeblich zur Zunahme autoimmuner und entzündlicher Prozesse führt. Während wir äußerlich altern und graue Haare sichtbar werden, verändern sich im Inneren unzählige Immunzellen, Signalwege und Reparaturmechanismen. Das Immunsystem verliert im Laufe der Jahre an Flexibilität, Genauigkeit und Reaktionskraft, ähnlich wie ein Muskel, der ohne Training an Stärke verliert [1]. Die gute Nachricht lautet: Das Immunalter ist kein unveränderliches Schicksal. Es lässt sich messen, verstehen und in vielen Fällen auch positiv beeinflussen.
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| Autor | Dr. med. univ. Vilmos Fux; Dr. rer. med. Peter Rappl |


