Longevity beginnt im Mund: Warum Mundgesundheit systemische Alterungsprozesse mitprägt
Simone Kumhofer
Kurzfassung Das Hallmarks‑of‑Aging‑Konzept beschreibt Altern als Netzwerk miteinander verschalteter biologischer Mechanismen, deren kumulative Wirkung sich in klinisch relevanten Endpunkten manifestiert (u. a. Funktionsverlust, Gebrechlichkeit, kardiometabolische Morbidität, Infektanfälligkeit, neuroinflammatorische Belastung) [1]. Das Update von 2023 erweitert dieses Framework u. a. um chronische Entzündung und Dysbiose als eigenständige Treiber und rückt damit mikrobiologische Grenzflächen und Barrieresysteme stärker in den Fokus [2]. Geroscience (Biogerontologie) übersetzt diese Perspektive in eine krankheitsübergreifende Logik: Alterungsmechanismen fungieren als vorgelagerte Determinanten zahlreicher chronischer Erkrankungen; klinisch besonders anschlussfähig sind dabei Inflammaging und veränderte interzelluläre Kommunikation (Zytokin‑/Chemokinmuster, redoxbasierte Stresssignaturen, endotoxinassoziierte Signale) [3, 4]. Die Mundhöhle ist hierfür ein plausibler Knotenpunkt: Sie ist dauerhaft mikrobiell besiedelt, täglich stark exponiert und immunologisch eng vernetzt; insbesondere Gingiva und Parodont wirken als aktive Grenzflächen, die bei Dysbiose und Entzündung wiederholt Mediator‑ und Expositionsmuster in systemische Signalachsen einspeisen können [5–7]. Parallel ist die orale Mikrobiota funktionell relevant – etwa über die enterosaliväre Nitrat‑Nitrit‑NO‑Achse mit Bedeutung für Gefäßfunktion und Blutdruckregulation [19–22]. Mundgesundheit ist damit kein rein lokales „Hygiene‑Thema“, sondern ein klinisch adressierbarer Resilienzfaktor in zentralen Alterungsachsen.
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| Autor | Simone Kumhofer |


