ADHS und Umwelt: Bedeutung von pathogenen Erregern, Toxinen und mukosalem Immunsystem
Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Kristin Krajewski
Nachdem viele Jahre Neurotransmitterabweichungen im Fokus der ADHS-Forschungen standen, richtet sich der Blick spätestens seit dem Einzug epigenetischer Perspektiven zunehmend auch auf Umweltfaktoren, die in Interaktion mit biologischen Veranlagungen die Ausprägung von ADHS mitbestimmen können. Im vorliegenden Beitrag soll der Fokus auf solche umweltbedingten Faktoren, insbesondere auf Belastungen mit Toxinen und pathogenen Erregern, und ihren Einfluss auf biologische Prozesse gelenkt werden. Dabei wird auch die Bedeutung der Schleimhautorgane und somit des mukosalen Immunsystems für die Abwehr dieser Umweltbelastungen herausgearbeitet. Die Entlastung von Toxinen und Pathogenen und die Stärkung des mukosalen Immunsystems wird als vielversprechende komplementäre Behandlung zur klassischen ADHS-Therapie hergeleitet. So sehr der Wunsch nach einheitlichen Rezepten für eine solche komplementäre (Mit-)Behandlung von ADHS verständlich ist, so bedeutet wirksame individuelle Behandlung gerade, dass es keine pauschalen Standardrezepte gibt, die für alle ADHS-Betroffenen gleichermaßen greifen können. Zu vielfältig sind die möglichen genetischen Vulnerabilitäten in den drei dargestellten Bereichen (Schwachstellen in Entgiftung, Erregerabwehr, Immunsystem) und die auf diese treffenden Umweltfaktoren, welche letztendlich eine Veranlagung für ADHS auch zur Diagnose ADHS werden lassen – oder zumindest dessen graduelle Ausprägung mitbestimmen. Um wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen zu können ist es wichtig, im Individualfall die biologisch-funktionellen Zusammenhänge zu erkennen. Im vorliegenden Beitrag werden solche Zusammenhänge umrissen und mögliche therapeutische Maßnahmen abgeleitet. Für Diagnostik und Therapie wird vorgeschlagen, pathogene Umweltbelastungen und die immunologische Ausstattung der Betroffenen, die zur Abwehr dieser Pathogene verfügbar ist, in den Fokus zu nehmen und dabei die Aufmerksamkeit auch auf das mukosale Immunsystem zu lenken.
| Seiten | 11 |
|---|---|
| Autor | Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Kristin Krajewski |


