AD(H)S verstehen, Ursachen erkennen, gezielt behandeln
Prof. Dr. med. Burkhard Schütz
AD(H)S ist in der täglichen Praxis selten nur ein Aufmerksamkeitsproblem. Hinter der sichtbaren Symptomatik – Unaufmerksamkeit, Impulsivität, innere oder äußere Unruhe – steht häufig ein vielschichtiges biologisches Geschehen. Manche Kinder wirken getrieben und explosiv, andere eher verträumt, reizoffen und rasch erschöpft. Erwachsene fallen oft weniger durch Hyperaktivität als durch Desorganisation, emotionale Instabilität, Schlafprobleme oder eine geringe kognitive Belastbarkeit auf. Genau hier beginnt die klinische Herausforderung: Wer AD(H)S ausschließlich als Störung einzelner Neurotransmittersysteme versteht, verpasst leicht die biologischen Einflussfaktoren, die das klinische Bild mitprägen. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass Darmfunktion, Entzündungsaktivität, mitochondrialer Energiestoffwechsel, Mikronährstoffstatus, Ernährung und Umweltbelastungen eng mit dem Beschwerdebild verknüpft sein können. Ein moderner Ansatz erweitert deshalb die klassische Neurobiologie um eine systemmedizinische Perspektive. Der Gewinn ist beträchtlich: Je präziser die biologischen Muster hinter der Symptomatik verstanden werden, desto gezielter lassen sich Diagnostik, Priorisierung und Therapie planen.
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| Autor | Prof. Dr. med. Burkhard Schütz |


